mal nachgedacht

Von guten Taten und Vampiren

Immer diese kryptischen Titel, nicht wahr? Okay, ich gebe euch wieder Auswahlmöglichkeiten:

1.) Edward von Twilight ist nun endlich dem Caritas-Verein beigetreten
2.) Im Caritas-Verein läuft eine Special-Sammelaktion für verarmte Vampire (deswegen arbeitet Edward wohl da, weil keiner ihn mehr lesen will)
3.) Es hat was mit mir zu tun (ohne Edward).

Naaa?

Richtiiiig: Nummer 3. Und so ein kryptischer Titel hat natürlich auch eine spannende Hintergrundgeschichte 😉

Ihr kennt das ja mit guten Vorsätzen: Man labert ewig, dass man es JETZT endlich durchzieht, man nimmt sich auch wirklich vor, dass man es JETZT endlich durchzieht – und im Endeffekt passiert so gar nix. So war es bei mir auch mit dem Blutspenden: Ewig habe ich gesagt „JETZT gehe ich hin“ – joa, passiert ist außer dem Vorsatz nicht viel.
Aber gestern war es dann soweit: Mein Mann und ich wollten unbedingt Blut spenden. Ich würde ja im Normalfall auch hier nochmal eine Vorgeschichte erzählen, aber wenn ich die jetzt sage, dann nehm ich ja die ganze Spannung aus der Geschichte. Ist wie, als wenn ich jetzt sagen würde, dass in ‚Twilight‘ Bella und Edward am Ende ein Happy End haben (uuuuups… war Spoiler für die, die es noch nicht gelesen haben. Aber mal ehrlich: Will das noch jemand lesen? Öhm, ja, egal). Jedenfalls erzähle ich jetzt einfach mal weiter, wie alles so ablief. Wir gingen also zum Blutspenden. Als Erstspender muss man erstmal seinen Ausweis vorzeigen und schließlich einen Fragebogen ausfüllen (den man aber glaube ich jedes Mal ausfüllen muss). Nach einem kurzen Gespräch mit dem Arzt mit Blutdruck-Check, Körpertemperatur-Check und einem kurzen Durchgehen des Fragebogens geht’s los. Aber zunächst wird nochmal ein kleiner Check mit einem winzigen Pieckser ins Ohr gemacht, um die Eisenwerte und bei Erstspendern auch die Blutgruppe zu bestimmen. Ha, und ich hab wie ca. 30% der Welt auch die Blutgruppe A+. Interessant 😉 Es ging schließlich ans Eingemachte: Man liegt sich auf eine Liege und die Nadel wird gesetzt. Und dazu muss ich aber sagen: Ich HASSE Nadeln. Ich hasse Blutabnehmen, ich hasse Impfen, ich hasse sogar Stricken (was nadelunabhängig ist, aber es passt so schön zum Nadelthema ;)). Nun ja, nach 10 Minuten war auch dieser Spuk vorbei und wieder mal habe ich gelernt: HÖRE AUF DIE ERWACHSENEN. Die sagen nämlich „Bleiben Sie danach nochmal 10 Minuten liegen, trinken Sie was, danach essen Sie was“ (es gibt beim Blutspenden auch immer einen Imbiss danach). Gut, ich bin danach keine 10 Minuten, sondern wohl nur so 5 liegen geblieben. Langsam gemacht hab ich zwar, aber ich habe mich echt gut gefühlt. Klar, ein bisschen schlapp, aber kaum der Rede wert.
Ich hab also draußen meinen Mann gefunden (der schon auf mich gewartet hat), er hat seine Jacke geholt – und auf einmal wurde mir ganz schwindelig. Alles hat sich gedreht und ich habe mich erstmal hingesetzt. Oh Oh. Das Gefühl kannte ich nur zu gut: Alles wird immer dumpfer, die Sinne lassen nach, die Extremitäten kribbeln und werden tauber….und schließlich bin ich auf dem Boden liegend und von Schwestern, einer Ärztin und meinem Mann aufgewacht. So langsam kam ich wieder zu mir und die Ärztin gab mir etwas, damit mein Blutdruck wieder steigt. Ich lag noch ein wenig rum und immer mehr war ich wieder ganz da, wenn auch etwas schlapp. Nach einer Weile habe ich mich dann auf einen Stuhl gesetzt – bis sich wieder alles drehte und alles kribbelte. Also – wieder ab auf die Liege. Und erstmal habe ich etwas getrunken und eine liebe Schwester holte mir ein wenig Suppe mit Brot zur Stärkung. Nach ca. 15 Minuten ging es dann und wir gingen langsam wieder zum Auto. Und diese Zeit, wo ich blöd da lag, war wirklich nicht schön. Denn in der Zeit laufen natürlich andere Spender vorbei, die einen komisch anschauen. Wie so ein seltenes Kunstwerk. Aber ich denke, sie dachten eher, dass ich ein Vampir war (wobei die Anzahl der blutspendenden Vampire höchstwahrscheinlich gegen Null geht… nehm ich mal an. Und wenn, dann spenden sie bestimmt nur für den eigenen Suppentopf ;)) Ich muss wohl ziemlich blass gewesen sein. Und ich fühlte mich wirklich nicht sonderlich gut.
Auf dem Weg nach Hause kam auch noch Übelkeit mit dazu und daheim dachte ich wirklich, dass ich mein Essen jeden Moment mittels Rückwärtsgang wieder nach draußen befördern würde. Baaah, das war eklig. Mir war eiskalt, ich war hundemüde und ständig war mir schwindelig. Mein Mann hat dann noch eine Kleinigkeit zu Essen gemacht und ich hatte partout keinen Hunger. Aber auch hier wieder: Auf die Erwachsenen hören. Ich habe ein bisschen was gegessen und danach ging es etwas besser. Müde war ich trotzdem und naja, es hätte mir wirklich besser gehen können.
(übrigens zum Thema „Vorgeschichte“: Ich habe schon immer einen relativ niedrigen Blutdruck. Wobei ich es seit ein paar Jahren gut im Griff habe und ich nicht mehr so oft in Ohnmacht falle und es vorher auch merke. Eigentlich bin ich seit ein paar Jahren gar nicht mehr in Ohnmacht gefallen. Passt eigentlich ganz gut. Aber hätte ich euch das vorher gesagt…ihr wisst schon ;))

Heute, the day after sozusagen, geht es mir um einiges besser, wenn ich auch noch etwas schwach auf den Beinen bin. Ich muss langsam machen und wenn ich zu schnell aufstehe, dann dreht es sich ganz ordentlich. Aber: Kein Vergleich zu gestern, Gott sei Dank 😉
Hier auch mal ein Beweisfoto (sieht schlimmer aus als es ist: Dieser viereckige Abdruck kommt von dem kleinen Tuch, was oftmals zur Blutungsstoppung aufgelegt wird und ich hatte einen ziemlich festen Druckverband bis heute morgen um).
20131120_072842

Aber immerhin hab ich für’s nächste Mal was gelernt: Mehr essen vorher, mehr trinken vorher und vor allem auf die Erwachsenen hören (!!!!). Ich denke mal, dass es das nächste Mal nicht allzu schlimm ist. Aber auch wenn es so wäre: Ich würde es wieder machen. Ich finde, dass ist tatsächlich eine gute Tat (auch, wenn ich danach wie ein Vampir aussehe). Man muss sich mal überlegen, dass alleine in Bayern täglich (!) 1.200 Blutkonserven verwendet werden. Alleine in Bayern. Und da gibt es noch 15 andere Bundesländer in Deutschland.
Erschreckt hat mich auch diese Statistik:
93% der Deutschen finden, dass Blutspenden wichtig ist
60% der Deutschen haben vor, Blut zu spenden
3,5 % der Deutschen spenden tatsächlich Blut (!!!!!!)

Ich finde, das sollte schon zum Nachdenken anregen…

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4 thoughts on “Von guten Taten und Vampiren”

  1. Bei meiner ersten Blutspende hatte ich einen richtig dicken blauen Fleck am Arm, der war bestimmt gut zwei Fingerbreit groß. Die junge Schwester hat die Vene nicht richtig gefunden und da es nicht richtig aus meinem Arm tröpfelte, schob sie noch mal nach (!!!). Wäre fast vom Stuhl gefallen. Naja ich glaube sie hat bei der Aktion das Blutgefäß durchgestochen. Es sah noch eine ganze Zeit so aus, als ob mich jemand grob angefasst hat.

    1. Ach du Sch****
      Ein Glück erzählst du mir das jetzt erst. Sonst hätte ich mir das nochmal überlegt 😉
      Ich hatte ja auch so ne tolle Krankenschwester, die mir 2 Wochen vor der Hochzeit „Blut abgenommen“ hat. Mein Arm war echt blitzeblau und nur dank der Creme, die mir Mary hier empfohlen hat, sah ich nicht ganz schlumpfarmig an meiner Hochzeit aus 😉

      Und DANKE für den Glückwunsch. Ist echt toll, wenn man weiß, dass man etwas Gutes tut.

  2. Hat dies auf Sofa4Susi rebloggt und kommentierte:
    Liebe Krissy, da du bei der Blutspende so tapfer warst, dachte ich mir ich folge deinem Beispiel und lass mich auch mal zur Ader. 🙂 Bin grade zurück und ich muss sagen es ist ein gutes Gefühl. Ich fand es sehr interessant wie fortschrittlich die Ausrüstung des Blutspende-Teams jetzt ist. Das war bei meiner letzten Spende 2009 noch nicht so. Schon krass, selbst die Blutspendeausweis haben das moderne Chipkartenformat bekommen. Und ich stand da mit meinem großen ollen gelben Ausweis. 😀 Tja, zwar hat die Nadel etwas gestreikt, aber etwas Blut hab ich da gelassen. Auch wenn ich davon Morgen einen blauen Fleck hab.

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