Ein paar Tipps, Optik ist wichtig

Das Schleierthema

Ihr wisst ja: ich steh auf alle möglichen Hochzeitstraditionen. Mag ich so sehr wie nen Popel an der Unterlippe. Hier hab ich ja schon so ein bisschen was…öhm…nennen wir’s mal angedeutet 😉

Ich find aber, man kann das gar nicht oft genug sagen:
Klar, eine Hochzeit ist EUER Tag. Und ich denke immer noch: Ist euer Ding, macht es so, wie ihr es wollt. Aber macht gewisse Sachen NICHT, nur weil irgendein Kloputzer aus dem 17 Jhdt. mal beschlossen hat, dass es so sein soll. Die Frage ist halt immer: Was sind Traditionen? Denn bei Hochzeiten ist des definitiv so, dass alles verkitscht wurde und die jetztigen suuuuuuperhyperduperromantischen Gesten ursprünglich echt nicht das Wahre waren. Zumindest, wenn man es mal von der Romantikseite betrachtet 😉

Der Schleier ist ja eine meiner Lieblingstraditionen 😉 Mir gefallen Schleier meistens einfach nicht. Ist Geschmackssache klar. Aber ganz ehrlich: Die meisten Bräute haben ein riesiges, aufwändiges Kleid an, was ansich schon mehr als wundervoll ist. Dazu lassen sie sich schön schminken, es wird wochenlang nach den perfekten Accessoires gesucht, die perfekte Frisur wird mittels gefühlten tausend Probeterminen entwickelt – um dann so ein Tüllding aufm Kopp zu haben. Versteht mich nicht falsch, es gibt durchaus Outfits, wo ich so einen Schleier sogar echt toll finde. Gibt’s bestimmt irgendwo. Es gibt auch bestimmt irgendwo ein Eichhörnchen, welches seine Nüsse vorher Erdbeermarmelade tunkt, bevor es die Nuss frisst, bestimmt 😉

Die Sache ist eben die: Keine Sau weiß, woher die Sache mit dem Schleier kommt. Der ganz traditionelle, ursprüngliche Schleier kommt nämlich von eher einem traurigen Anlass, nämlich einer Hochzeit. Möööh?? Wat?? Ja, genau, habt euch nicht verlesen. Eine Hochzeit war für die Braut und künftige Ehefrau in den meisten Fällen leider gar nicht ein glücklicher Tag. Im Gegenteil: Sie wurde an einen ihr völlig fremden Mann verschachert, musste in ein fremdes Haus und ein ihr völlig unbekanntes Leben führen. Liebe war damals absolut kein Thema, sondern eher die entsprechende Mitgift und dahingehend eben die Entscheidung, ob das junge Mädel attraktiv oder eher: lukrativ für den künftigen Ehemann wirkt. Dementsprechend war die vermeintlich glückliche Braut eher todunglücklich und der Schleier sollte alle Emotionen verbergen: Die Trauer, die Wut und die Enttäuschung. Selbstverständlich kann das der künftige Ehemann an der Hochzeit nicht sehen und so wurden die Bräute kuzerhand etwas bedeckt, damit die vielen Tränen nicht sichtbar sind.
Eine andere Sache ist natürlich der Aberglaube: Der Schleier soll die Braut vom Weg des Elternhauses zum Altar vor den bösen Geistern beschützen. Ein Funken Wahrheit ist trotz allen Aberglaubens aber denke ich doch dabei, denn immerhin fürchtete sich die junge Braut natürlich trotzdem. Zwar nicht nur vor Schreckgespenstern, sondern vielmehr vor ihrem künftigen Leben und dem dazugehörigen Ehemann.
Der Schleier wurde übrigens nicht erst in der Kirche oder bei dem „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ (ich sach’s ja: verkitscher Hollywood-Mist). Die Braut wurde erst im Elternhaus des Bräutigams entschleiert. Damit war die jungfräuliche Braut nun keine Jungfrau mehr, sondern eine Braut. Zwar nicht, was die ehelichen Pflichten angeht, aber die folgen ja ohnehin erst in der frühen Hochzeitsnacht.

Neben der Verbergung und dem Aberglauben war ein Schleier aber auch noch ein netter Nebeneffekt für die Brautväter, deren Töchter schönheitstechnisch leider nicht das große Los gezogen hatten: Eine dicke Nase, eine Warze oder gar andere hässliche Teile im Gesicht wurden so verborgen und der Bräutigam konnte vor seiner Schabracke Braut nicht mehr wegrennen 😉

Heutzutage ist der Schleier nicht mehr als ein Accessoire. Große emotionale Bedeutungen, wie sich viele Bräute noch einreden, hat er einfach nicht mehr. Er symbolisiert weder Jungfräulichkeit, noch dient er dazu hässliche Merkmale im Gesicht zu verbergen (obwohl, so manchmal…höhöhööö. Erwähnte ich bereits, dass ich keinen Schleier hatte? Muuuuuhahahahaha). Genauso kann man einen schicken Haarschmuck, einen Hut oder ein Huhn aufm Kopf haben. Geht ja alles, ne? 😉

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3 thoughts on “Das Schleierthema”

  1. Meine liebste Krissy, du hast so eine unnachahmlich realistisch-ehrliche Art und Weise, die ich so an dir mag. 🙂 Wo gräbst du eigentlich diese ganzen Infos aus? Das mit dem Entschleiern im Haus des Bräutigams wusste ich noch nicht. 😉 Liebste Grüße von der Susi

    1. Danke meine Liebe *knicks*
      Ich steh einfach drauf, diese ganzen Misttraditionen zu zerstören und recherchiere was das Zeug hält 😀 Teuflisch, teuflisch 🙂
      Nein, ernsthaft: Ich bin jemand, der wissen möchte, wovon er redet. Außerdem steh ich immer drauf, ein Argument nachm andern hinzuknallen, wenn wieder mal ein Brautherzchen sagt „Das macht man halt soooo“ Ich sachs ja: Teuflisches Ding, ich 🙂

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